Erhaltung, Seltenheit und Wert von Sammlermünzen

 

Der Wert einer Sammlermünze wird durch folgende Faktoren bestimmt:

 

  • Angebot und Nachfrage (bzw. Interesse und Liquidität),
  • Seltenheit (Auflage oder Prägezahl sind dabei häufig irrelevant für das tatsächliche Vorkommen.) und
  • Erhaltung (die Qualität einer Münze).

 

Dem Prozess zur Bestimmung der Erhaltung (engl. coin grading) kommt also eine Schlüsselrolle bei der Preis­findung von Sammlermünzen zu. Kurz gesagt beschreibt die Erhaltung einer Münze deren Aussehen und wird von fünf Faktoren bestimmt: Prägung (strike), Oberflächenerhaltung (surface preservation), Glanz (luster), Tönung (coloration) und der allgemeine Eindruck fürs Auge (eye appeal). Ursprünglich gab es lediglich zwei Erhaltungen – neu und gebraucht –, aus denen sich mit der Zeit ein System immer feinerer Unterscheidungen der einzelnen Erhaltungsgrade entwickelte.

 

Weltweit am gebräuchlichsten sind folgende Erhaltungsgrade („Buchstabensystem“):

 

1. Polierte Platte – pP (engl. proof, franz. flan bruni)

Das Relief ist fein mattiert, der Münzgrund spiegelglänzend. "Polierte Platte" ist eigentlich kein Erhaltungsgrad, sondern eine besondere Herstellungsart, bei der die Prägung als Einzelanfertigung mit polierten Stempeln auf eigens bearbeiteten, polierten und keinerlei Unebenheiten aufweisenden Münzplättchen (Schrötlinge) erfolgt. PP-Stücke sind perfekt, d. h. ohne jegliche Beschädigungen, und nicht berieben. Da sie sehr empfindlich sind, sollten die Münzen verkapselt oder eingeschweißt sein. Lose, beschädigte oder verschmutzte pP-Stücke sind als „ex-pP", „pP minimal berührt (min. b.)", „pP leicht berührt (l. b.)“, „pP berührt (b.)“ bzw. um ihren tatsächlichen Erhaltungsgrad ergänzt, z. B. als "vorzüglich bis Stempelglanz aus polierter Platte" oder "winzige Haarlinien, polierte Platte", zu bezeichnen.

 

2. Spiegelglanz (engl. proof-like)

Ähnlich polierter Platte erfolgt die Spiegelglanzprägung nicht ganz so sorgfältig. So wird beispielsweise auf das Polieren der Münzplättchen verzichtet. Insbesondere moderne Münzen mit hoher Auflage werden in Spiegelglanz aufgelegt.

 

3. Erstabschlag - EA

Beim "Erstabschlag" handelt es sich um die ersten etwa 50 bis 200 mit einem neuen Stempel geprägten und deshalb besonders ausdrucksstarken Stücke. Im Unterschied zu Stempelglanzmünzen sind Glanz und Konturen der Relief­partien noch ausgeprägter.

 

4. Stempelglanz – St (engl. uncirculated – UNC bzw. brilliant uncirculated – BU, franz. fleur de coin – FDC)

"Stempelglanz" bezeichnet die bestmögliche Erhaltung einer in Normalprägung hergestellten Münze. Relief und Münzgrund müssen sich makellos prägefrisch mit feinem Glanz darstellen. Stempelglanzstücke waren nie in Umlauf und dürfen deshalb an keiner Stelle (auch keine kleinen) Umlauf-, Abnutzungs-, Druck- oder Schlagspuren (vor allem an den erhabenen Stellen) aufweisen.

 

5. Prägefrisch

„Prägefrisch“ bezeichnet die Erhaltung von zur Ausgabe gelangten Münzen, die aufgrund der dafür notwendigen Handhabung wie Abfüllung in Säcke oder Rollierung geringe Beschädigungen und nicht mehr tadellosen Stempelglanz aufweisen.

 

6. Vorzüglich – vz (engl. extremely fine - EF, franz. superbe)

Eine "vorzügliche" Münze verfügt über ein einwandfreies Relief, während das Feld kleine Verletzungen (wie herstellungs- oder transportbedingte Kratzer) aufweisen darf. Der Prägeglanz kann durch kurzen Umlauf weitgehend verschwunden sein. Die Münze darf jedoch keine Beschädigungen wie Putzspuren, Bereibungen oder Randschäden aufweisen.

 

7. Sehr schön – ss (engl. very fine – VF, franz. très très beau)

"Sehr schön" ist der übliche Erhaltungsgrad bei längerem Umlauf. Relief und Münzgrund weisen kleinere (nicht grobe) Verletzungen auf. Trotz geringer Abnutzung müssen an den erhabenen Stellen noch alle Details erkennbar sein (am leichtesten zu bemerken z. B. an Haaren oder Bart).

 

8. Schön – s (engl. fine – F, franz. très beau)

"Schön" ist die unterste Erhaltung sammelwürdiger moderner Münzen. Aufgrund jahrelangen Umlaufs weist die Münze deutliche Abnutzungsspuren und einige Verletzungen auf. Die Konturen müssen aber noch erkennbar, die Schrift lesbar und die Münze eindeutig bestimmbar sein. Stärkere Kratzer und Schläge auf Relief und Münzgrund, Randkerben und Fallstellen sind möglich.

 

Münzen der Erhaltungsgrade "sehr gut" (engl. very good – VG, franz. beau), "gut" (engl. good – G, franz. très bien conservé) oder gar "gering erhalten" (ge; englisch fair – Fr bzw. poor, franz. bien conservé) gelten in der Regel nicht mehr als sammelwürdig.

 

Analog zum Schulnotensystem gibt es bei der Bestimmung der Erhaltung folgende Zwischenstufen:

  • fast Stempelglanz – St- (engl. almost bzw. about uncirculated – AU)
  • vorzüglich bis Stempelglanz – vz-St
  • besser als vorzüglich – vz+
  • fast vorzüglich – vz-
  • sehr schön bis vorzüglich – ss-vz
  • besser als sehr schön – ss+
  • fast sehr schön – ss- (engl. almost oder about good – AG)

 

Bezeichnungen wie „gutes sehr schön“ (engl. good very fine) oder „gutes vorzüglich“ (good extremely fine) geben an, dass die Münze am oberen Rand des jeweiligen Erhaltungsgrades anzusiedeln ist.

 

Auch wird - falls notwendig - die Erhaltung von Vorder- und Rückseite getrennt angegeben.

 

Bezüglich der Erhaltung ist in den letzten Jahren ein klarer Trend zu Top-Qualitäten zu beobachten. So kosten Münzen in den besten Erhaltungsgraden "Stempelglanz" oder gar "polierte Platte" meist ein Vielfaches im Vergleich zu "sehr schönen" Stücken. Aus Gründen des Werterhalts bzw. der Wertsteigerung empfehlen wir deshalb, größtmöglichen Wert auf eine ausgesprochen gute Erhaltung (mindestens vorzüglich) zu legen. Auch der gelegentliche Austausch von weniger gut erhaltenen Exemplaren gegen Stücke von sehr guter Erhaltung wirkt langfristig wertsteigernd. Eine Ausnahme bilden naturgemäß lediglich äußerst seltene Münzen oder gar Unikate.

 

„Grading“ & „Slabbing“

 

In den 1950er Jahren entwickelte der US-amerikanische Psychologe und renommierte Numismatiker Dr. William Herbert Sheldon in seinem Buch „Penny Whimsy“ die nach ihm benannte „Sheldon Scale“, ein standardisiertes Zahlensystem von null bis 70, das ursprünglich den relativen Wert eines US-amerikanischen Large Cent aus dem Jahr 1794 reflektieren sollte, der damals in „Basal State“ (BS) einen US-Dollar und in „Uncirculated Mint State“ (MS) 70 Dollar kostete (MS-70). Wurde Sheldons System zunächst hauptsächlich von Sammlern großer Kupfermünzen genutzt, ist es heute – insbesondere in den USA, aber auch zunehmend international – weit verbreitet: MS-70 steht also für eine perfekte Münze, die „0“ hingegen für nicht viel mehr als ein Stück stark abgenutztes, oxidiertes, zerkratztes und verbogenes Metall, das in seiner Kindheit mal eine Münze gewesen sein dürfte.

 

Amerikanisches und europäisches Erhaltungssystem können einander wie folgt gegenübergestellt werden:

 

Deutschland                           USA/UK                                                                               Frankreich                           Verbleibendes Design

gut erhalten (ge)                   good (g)                                                                              assez beau (ab)                   10%

sehr gut erhalten (sge)          very good (vg)                                                                    beau (b)                               25%

schön (s)                                fine (f)                                                                                très beau (tb)                       50%

sehr schön (ss)                       very fine (vf)                                                                      très très beau (ttb)               75%

vorzüglich (vz)                       extremely/extra fine (ef/xf)                                               superbe (sup)                       90%

unzirkuliert- (unz-)                about uncirculated (unc)                                                    -                                           95% und etwas Glanz

unzirkuliert (unz)                   MS (Mint State) 60-65, brilliant uncirculated (BU)            splendide (spl)                     100% und Glanz

Stempelglanz (St)                  MS 66-70 (FDC)                                                                 fleur de coin (fdc)               100% und voller Glanz

 

Grading Services

 

Das erste private Grading Service wurde 1984 unter dem Namen Numismatic Certification Institute (NCI) von den Eigentümern der Heritage Rare Con Galleries (heute Heritage Auction Galleries) in Dallas, Texas, ins Leben gerufen. 1986 folgte der PCGS (Professional Coin Grading Service), der die Münzen authentifizierte, ihre Erhaltung feststellte und in einer Hartplastikhülle ("Slab") einschloss („slabbing“).

 

Dem Trend zu immer genauerer Unterscheidung der Erhaltungsgrade nachkommend, führte die PCGS folgende „grades“ ein: BS-1 (oder PO-1), FR-2, AG-3, G-4 (good: Münze stark abgenutzt, auch die wichtigsten Details sind nicht klar erkennbar), G-6, VG-8, VG-10, F-12 (fine: Münze stark abgenutzt, feine Details aber erkennbar), F-15, VF-20 (very fine), VF-25, VF-30, XF-40 (extremely fine), XF-45, AU-50 (about uncirculated), AU-53, AU-55, AU-58, MS-60 (Mint State: Münze keinesfalls im Umlauf gewesen), MS-61, MS-62, MS-63, MS-64, MS-65, MS-66, MS-67, MS-68, MS-69 und MS-70 (die perfekte Erhaltung). Münzen zwischen XF-45 und MS-68 können seit 2010 zudem ein „+“, z. B. MS-63+, führen, wenn sie am oberen Rand ihrer Erhaltungsstufe anzusiedeln sind. Für polierte-Platte-Münzen wurde eine entsprechende Skala von PR-01 oder PF-01 bis PR-70 oder PF-70 eingeführt.

 

Zurzeit dominieren zwei Grading Companies den Münzmarkt – PCGS und NGC (Numismatic Guaranty Corporation).

 

Die Meinungen zum sogenannten „Grading“ und „Slabbing“ gehen unter Numismatikern, Händlern und Sammlern naturgemäß weit auseinander: Einerseits garantieren die Grading Services die Echtheit der Münze und bieten eine ausreichende Beschreibung derselben sowie eine fundierte Einschätzung des Erhaltungsgrades. Die Plastikhülle schützt das Stück zudem vor unsachgemäßer Handhabe und Beschädigung. Andererseits ist eine hundertprozentig genaue Einstufung in solch fein skalierte Erhaltungsgrade kaum noch möglich, was sich darin zeigt, dass verschiedene Grading Services ein und dieselbe Münze durchaus unterschiedlich beurteilen und bisweilen gar „meilenweit“ auseinanderliegen können. Darüber hinaus kann im Slab die Beschaffenheit des Randes, ein ebenfalls nicht unerhebliches Qualitätskriterium einer Sammlermünze, mangels Draufsicht überhaupt nicht überprüft werden. Viele Münzenthusiasten vermissen zudem das schöne Gefühl, ein endlich erworbenes oder interessantes Stück in den eigenen Händen zu halten. Ob eine „geslabbte“ Münze einen besseren Wiederverkaufspreis erzielen kann, lässt sich vor diesem Hintergrund nicht abschließend objektiv behaupten. Wir selbst bevorzugen „ungeslabbte“ Münzen.

 

Die Seltenheit von Münzen

 

Im Allgemeinen werden folgende Seltenheitsgrade (engl. rarity terms, franz. degrès de rareté) verwendet:

 

deutsch                                                englisch                                       französisch

selten (R)                                             rare (R)                                        rare

sehr selten (RR)                                   very rare (RR)                              très rare

von großer Seltenheit                         very rare                                      de grande rareté

von größter Seltenheit                        extremely rare                            extrêmement rare

von allergrößter Seltenheit                 extremely rare                            de la plus extrême rareté  

unediert                                               unpublished                                inédit

 

Ebenfalls häufig anzutreffen sind die sieben Stufen des niederländischen Numismatikers C. Scholten:

 

C             common

N             normal

S             scarce

R             rare

RR           very rare

RRR        extremely rare

RRRR      of the utmost rarity

 

William Herbert Sheldon hingegen verwendet acht Seltenheitsgrade:

 

R1          common, readily available

R2          less common – available at most shows, but in limited quantity

R3          scarce – somewhat difficult to find, only a few likely at larger shows

R4          very scarce – may or may not be found at larger shows and auctions

R5          rare – unlikely more than five at shows or auctions each year

R6          very rare – almost never seen, only one offered for sale in a year’s time

R7          prohibitively rare – may be offered for sale once every few years

R8          unique, or nearly so

 

Interesse und Liquidität

 

Interesse bezeichnet die Nachfrage nach einer Münze, einem Münztyp oder einer Münzvarietät. Wie in jedem Markt bestimmen auch bei Münzen Angebot und Nachfrage den Preis. Mit anderen Worten: Sind viele Stücke einer Münze verfügbar, fällt deren Preis, weil das Angebot die Nachfrage übersteigt – und umgekehrt. Das Interesse an einer Münze kann aber auch mit steigender Nachfrage zunehmen, etwa wenn ein Stück durch die (Fach-)Presse mehr Aufmerksamkeit erfährt. In diesem Fall könnte der Preis auch ohne Veränderungen auf der Angebotsseite (Anzahl der verfügbaren Exemplare) steigen.

 

Der Liquiditätsfaktor wurde von J. T. Stanton, Präsident der PCI Grading Company, entwickelt. Er zeigt wie schnell oder einfach eine Münze unter normalen Marktumständen auf einer Auktion veräußert werden kann. Die Skala reicht dabei von Eins (Münze unter normalen Umständen nicht schnell oder einfach veräußerbar, in der Regel Verkauf unterhalb des Schätzpreises) bis Fünf (unmittelbarer Verkauf, Preise in Höhe der Schätzung bis weit darüber).

 

 

Quellen: Wikipedia; Kurt Jaeger: Die deutschen Münzen seit 1871; Mages GmbH